By Helga Milz

Was once zeichnet die vorliegende Arbeit besonders aus? Es sind nicht nur die Grabungsfunde, mit denen verdienstvolle Wissenschaftler(innen) aus der Friihzeit unseres lahrhunderts der Vergessenheit entrissen werden, es ist vor allem das hohe Mall an Empathie, mit der es der Autorin gelungen ist, die Ergebnisse ihrer Recherchen aus dem Kontext des jeweiligen Umfeldes zu interpretieren. So wird nicht nur deutlich, sondem auch verstfuldJich, warum viele Frauen -sowohl unter den Befragten wie auch unter den inter­ pretierenden Wissenschaftlerinnen - dem naiv propagierten Emanzipati­ onsgebaren skeptisch gegeniiberstehen und lieber in den Raumen einer ver­ trauten Verhaltenssicherheit verbleiben. Bemerkenswert in diesem Zusam­ menhang auch die heute weithin verlorengehende Fahigkeit der Verfasse­ rin, die Autor(inn)en, die sie respektiert und ob ihrer Leistung geradezu verehrt, in einzelnen Positionen sachlich scharf zu kritisieren. So erweist sich die Entstehung, Differenzierung und Verstfu"kung des FrauenbewuBt­ seins in diesem lahrhundert als ein in sich vielfaItig gebrochener ProzeB, dessen allmahliche Gewinne und Stabilisierungen sich vor allem aus der produktiven Verarbeitung enttiiuschter Hoffnungen zusammensetzen. Hel­ ga Milz verzichtet von vornherein auf die ebenso end-wie nutzlose Dis­ kussion urn Wesen und Natur der Frau, nimmt additionally die Geschlechtercli:fJe­ renz als ein Produkt menschlicher Kulturentwicklung wahr und ernst. Eben deshalb aber forscht sie in ihrem Datenmaterial den Entwicklungen nach, in denen die infolge dieser Kulturentwicklung beschadigten males­ schenrechte (vor aHem, aber nicht nur) von Frauen benannt und wieder eingefordert werden.

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37 "Umwertung proletarischer Tatbestiinde", die Franzen-Hellersberg in ihrem Untertitel ankiindigt, besteht in dem Versuch, eigene Wertungen zu reflektieren und die besonderen proletarischen Lebensformen und Umgangsweisen nachvollziehbar zu machen. Franzen-Hellersberg will zeigen, da6 und wie bier btirgerliche Normen, insbesondere die "Enthaltsarnkeit" vor der Ehe oder die mtitterliche Aufopferungsbereitschaft und weibliche Demut, gelebt und akzeptiert bzw. modifiziert werden. B. mit der Organisationsbereitschaft von Frauen,7s mit Fragen der padagogischen Erziehung von Industriearbeiterinnen76 und mit philosopbischen Uberlegungen tiber deren Einstellungen77 .

LiEs niitzt ja doch nichts" oder "es hat ja doch keinen Zweck" seien typische Antworten auf die Frage, ob denn nicht eine Verbesserung der Lage zu erreichen sei. 125 Das deute auf eine Lebensauffassung, die von der Vorstellung eines unabwendbaren Schicksals gepr3gt sei. Verstandnisvoll und bedauernd beschreibt Franzen-Hellersberg die Resignation angesichts der beengten Wohnweise. " sei: "Wir haben eine Kochstube tmd es wohnen 5 erwachsene Menschen darin tmd einer schubst den anderen umber. " 127 Die iibervolkerten Wohnungen iibten eine zersetzende Wirkung auf das Familienleben aus, insbesondere wegen standiger Storungen und erschwerter Riickzugsmoglichkeiten.

JUngst 1929 zit. n. Jurczykffatschmurat 1986:243. 135 Vgl. die Schilderungen ehemaliger erwerbsWiger Hausfrauen, die mit Facharbeitem verheiratet sind, bei Evans 1979:319. 136 Vgl. JUngst 1929 zit. n. Jurczykffatschmurat 1986:242. 51 Tatsache, "... 138 Dabei kommt es nach Meinung der Autorinnen nieht darauf an, die betriebliehen Benachteiligungen zu beseitigen. Vielmehr geben sie zu bedenken, daB bestimmte Formen belastender Erwerbsarbeit die Wahmehmung der weiblichen Gebarfunktion und "hOherer Aufgaben" in Familie und Gesellsehaft gefahrden konnten.

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